Wie vermittele ich Wissen in 140 Zeichen?
Egal ob ich Jesus, Flughahn oder den Merkur erklären will: Die meisten Themen sind zu komplex, um alle relevanten Informationen in 140 Zeichen zu quetschen. Ich muss mich bei einem Twick also auf die allernotwendigsten Angaben beschränken. Beim Selektieren frage ich mich darum: Was will ein Leser, der nach einer KURZEN Erklärung für Flughahn sucht, wirklich wissen? Und wie formuliere ich einen Twick, damit er für möglichst viele Leser verständlich ist?
Nicht zu wissenschaftlich
Gestern wollte ich Damenbart twicken und habe erst mal im Web recherchiert. Es war erschreckend. Ich fand einfach keine kurze, allgemeinverständliche Erklärung. Bei Wikipedia finde ich folgenden Einleitungssatz: „Hirsutismus (von lat. hirsutus, „haarig“) bezeichnet ein männliches Verteilungsmuster der Terminalhaare (Langhaare) bei der Frau.“ Statt einer Antwort werde ich mit Fachbegriffen und Fremdwörtern konfrontiert. Da frage ich mich doch: Was hat das mit Damenbart zu tun?
Nicht zu umständlich
Ähnlich war es bei Christkind. Da finde ich auf Wikipedia folgenden Einstieg: „Das Christkind ist eine vor allem in Österreich, der Schweiz, in katholischen Regionen Deutschlands sowie in der Region um Nürnberg verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes.“ Die eigentliche Info „Symbolfigur von Weihnachten“ steht ganz am Ende eines unnötig langen Satzes. Ich glaube hier haben die Autoren versucht, zu viel Information auf einmal zu vermitteln – und erreichen damit genau das Gegenteil: Unverständnis.
Zu viele Abkürzungen vermeiden
Ziel eines Twicks ist, in 140 Zeichen die notwendigsten Fakten verständlich zu präsentieren. Darum bin ich kein großer Freund von Abkürzungen. Es spricht natürlich nichts dagegen, Artikel und Bindeworte wie „oder“ und „und“ abzukürzen oder durch bekannte Zeichen wie „&“ oder „+“ zu ersetzen. So kann ich jeweils zwei Zeichen einsparen. ABER:
Wenn ich e. Twick m. v. Abk. form. & Satzz. entf. > d. Lesbark. enorm. Durch die Häufung der Abkürzungen leidet die Lesbarkeit. Der Leser benötigt wesentlich länger, um den Inhalt des Twicks zu erschließen.
Ohne Punkt und Komma
Satzzeichen erhöhen die Lesbarkeit eines Twicks. Insbesondere bei Aufzählungen sind sie für die Gliederung des Twicks sinnvoll. Es spricht aber nichts dagegen, sie wegzulassen.
Schneller Einstieg
Wenn ich zum Beispiel Hund erkläre, muss mein Twick nicht mit den Worten „ein Hund ist“ oder „Hund ist die Bezeichnung für“ anfangen. Auch Formulierungen wie „dieser Begriff bezeichnet“ oder „Definition für“ können in der Regel weggelassen werden. Das denkt sich der Leser selbst, da über jedem Twick steht: „Nutzername“ erklärt „Thema“. Das Subjekt des Twicks ist zwangsläufig vorgegeben. Einfacher ausgedrückt: Wenn ich bei Twick.it „Hund“ definiere, ist das Wort Hund in der Erklärung überflüssig, redundant.
Wörter und Werbung weglassen
Partizipialkonstruktionen und Schachtelsätze würde ich vermeiden, die diese häufig unnötig lang und zudem komplizierter zu lesen sind. Überhaupt steht nirgendwo geschrieben, dass ein Twick ein vollständig ausformulierter Satz sein muss. Wenn die Aussage auch ohne Artikel lesbar ist, streiche ich diese einfach. Auf Füllwörter, Superlative, Adjektive und eigene Wertungen verzichte ich ebenfalls. Den angehangen Link zu bewerben, ist zwar nicht verboten, bietet dem Leser aber in den wenigsten Fällen einen informativen Nutzen, weshalb ich auch darauf verzichte.
Alternativen für das Abkürzungsfeld
Oberhalb des Feldes für die eigentliche Erklärung gibt es ja das Abkürzungsfeld. In der Beta-Phase haben wir gelernt, dass dieses Feld auch andere Funktionen übernehmen kann. Bei einem Tier wie dem Flughahn könnte man in das Abkürzungsfeld zum Beispiel den wissenschaftlichen Namen eintragen, um Platz zu sparen. Bei einer Person kann hier der vollständige Name oder Künstlername stehen – ein Beispiel bietet der Indianerhäuptling Chief Joseph. Auch Synonyme, Übersetzungen oder Wortherleitungen können sinnvollerweise in das Abkürzungsfeld eingetragen werden. Hier ein paar Beispiele vom CaPtAiN: Montezumas Rache, La traviata oder Habemus Papam.
Das wesentliche Wissen
In einer Rezension hat uns Norro als „Online-Enzyklopädie mit hoher Dichte“ beschrieben. Das ist richtig. Wir haben durch die Beschränkung auf 140 Zeichen naturgemäß eine hohe Fokussierung auf das Relevante. Oder wie Cem Basman mit Hinblick auf Twitter formuliert hat: „Die Begrenzung [...] auf das Wesentliche schärft die Sprache.“ Allerdings würde ich nicht so weit gehen zu sagen: „Die absolute Verdichtung von Wissen. Die kompromisslose Reduktion einer Menge von Zeichen/Buchstaben auf ihren maximalen Informationsgehalt.“ Meiner Meinung nach kann nur ein Computer „reine Information“ verarbeiten.
Ausführliche Texte verlinken
Auch wenn es schwer fällt, würde ich beim Twicken eher ein Detail weglassen, als meine Leser mit Steno-Stil oder Fachchinesisch zu verscheuchen. Immerhin bietet mir Twick.it ja die Möglichkeit, auf eine beliebige Seite zu verlinken. Ob auf Wikipedia, deinen eigenen Blog oder eine Datei bei Slideshare. Wenn du viel zu sagen hast, schreib einen ausführlichen Text, lade ihm im Netz hoch, schreibe einen Twick als Essenz und verlinke die beiden Quellen. So kann der Leser selber entscheiden, ob er wenige oder viele Informationen für seine Recherche benötigt.
Fazit: Wenn ein Leser ausführliche Beschreibungen sucht, wird es sich direkt an Wikipedia, Encyclopedia of Life oder ein Forum wenden, das sich auf das gesuchte Fachgebiet spezialisiert hat. Die Nutzer von Twick.it jedoch suchen nach einer kurzen, allgemeinverständlichen Definition. Geben wir sie ihnen.
PS: Zum Thema „Verständlichkeit“ gibt es natürlich einen ausführlichen Wikipedia-Artikel. Auch die Tipps aus „Wie schreibe ich einen guten Artikel“ der Wikipedia sind lesenswert.
Schlagwörter:140 Zeichen, Verständlichkeit


