Was ist eine Erklärung?
Wer sich selbst als Erklärmaschine bezeichnet, sollte eine gute Antwort auf die Frage parat haben: „Was zeichnet eine gute Erklärung aus?“ Ich meine: Eine Erklärung macht den Fragenden etwas schlauer. Sie erläutert einen Sachverhalt oder Begriff mit den wesentlichen Fakten. Logisch, begründet, argumentativ – und auf den Punkt. Allerdings ist eine Erklärung immer für eine bestimmte Person oder eine bestimmte Gruppe von Menschen bestimmt. Erklärungen sind also abhängig vom Kontext und dem Wissensstand des bzw. der Angesprochenen.
Synonyme für Erklärung
Es gibt zahlreiche Synonyme für das Wort Erklärung: Begründung, Argument, Auseinandersetzung, Sinndeutung, Nachweis, Rechtfertigung, Begriffsbestimmung, Erläuterung, Aufklärung, Beleuchtung – und noch einige mehr. Diese Aufzählung zeigt, dass ein wichtiges Element einer Erklärung die Fakten sind. Um etwas zu erklären, muss ich also über gesichertes Wissen verfügen – und ich muss meine Schlussfolgerungen begründen können. Leider endet hier die Objektivität.
Wem erkläre ich was?
Es macht einen Unterschied, ob ich The Beatles einem Freund in der Kneipe oder einem Musikwissenschaftler in einer Vorlesung erkläre. Der Inhalt meiner Erklärung wird also durch den Adressaten und den Kontext maßgeblich beeinflusst. Da du bei Twick.it nie weißt, wer deine Erklärung liest, empfiehlt Tipps4Twicks: Setze kein Vorwissen voraus. Formuliere deinen Twick so, dass er jemandem weiterhilft, der noch nie etwas von den Beatles gehört hat.
Was ist meine Intention?
Kommunikation ist immer ein sozialer Akt – auch wenn er über eine neutrale Plattform wie die Erklärmaschine stattfindet. Mit meiner Erklärung will ich den Fragenden (unbewusst) von meiner Sichtweise überzeugen. Oder ich will mich mit meinem Wissen profilieren. Bei jeder Erklärung habe ich eine bestimmte Intention. Diese Absicht gilt es zu hinterfragen. Beim Beispiel der Beatles muss ich mich fragen: Erkläre ich, was die Beatles für mich als Fan bedeuten und will ich Menschen mit meiner Begeisterung anstecken oder bin ich Heavy Metal Hörer, der mit dem altmodischen Zeugs nichts anzufangen weiß? Wenn ich mir nicht über meine Intention im Klaren bin, kann ich nicht sachlich erklären.
Was wollte ich noch mal erklären?
Interessant ist, dass bei einigen Twicks nicht das eigentliche Thema erklärt wird. Beispiel Blau machen: Hier wurde nicht die Bedeutung, sondern die Herkunft des Begriffs erklärt. In der Aktionswoche über Comicfiguren schickte eine Nutzerin gleich ein ganzes Rudel an Galliern wie Linguistix mit Obelix auf die Wildschweinjagd. Über die Charaktere selber sagen diese Twicks leider nichts aus. Merke: Für eine gute Erklärung ist wichtig, immer das eigentliche Thema im Fokus zu behalten.
Beweisen statt bewerten
„Die Beatles sind die beste Band der Welt.“ „Jesus ist Gottes Sohn.“ Solche Aussagen sind keine Erklärungen, sondern Meinungen, da sie keine vergleichbaren Fakten präsentieren. Jede Wertung wie „beste“, „schlechteste“ etc. setzt außerdem einen Vergleich mit einem anderen Begriff voraus. Für Vergleiche ist jedoch bei 140 Zeichen kein Platz übrig. Auch wenn ich schreibe „Die Beatles sind die erfolgreichste Band der Welt.“ habe ich nichts erklärt, wenn ich keine Zahlen, Daten und Fakten als Beweise anführe. Mit Bewertungen und Superlativen sollte man in einer Erklärung darum vorsichtig umgehen.
Wer? Was? Wann? Wo? Wie?
Als Messlatte für die Objektivität der Berichterstattung haben sich in den klassischen Medien die fünf Fragewörter „Wer? Was? Wann? Wo? Wie?“ etabliert. Wenn du die großen 'W' beantwortest, hast du einen Großteil der Fakten abgedeckt. Das funktioniert auch bei einem Twick. Zum Beispiel könntest du dir überlegen: Wer hat bei den Beatles mitgemacht? Was für Musik haben die Beatles gemacht? Von wann bis wann war die Band aktiv? Wo kommen die Beatles her? Wie konnten sie so erfolgreich werden? Natürlich kannst du in 140 Zeichen nicht alle Fragen ausführlich beantworten. Aber dafür gibt es ja den Link und die verwandten Themen.
Eine gute Erklärung:
- Baut auf gesichertes Wissen
- Ist verständlich und nachvollziehbar
- Macht den Fragenden schlauer
Beschreiben kann jeder, erklären ist eine Kunst
Der erste Satz in der Wikipedia über Erklärung lautet: „Eine Erklärung ist ein kommunikativer Akt, der einen Sachverhalt, eine Situation oder eine Absicht feststellt oder erläutert.“ Zu gut deutsch heißt das: „Eine Erklärung ist ein Gespräch, in dem etwas erläutert wird.“ Inhaltlich ist diese Aussage richtig – trotzdem vermute ich, dass nur wenige Menschen etwas damit anfangen können. Ich zumindest habe ziemlich lange gebraucht, um sie zu verstehen. Für eine gute Erklärung reicht es nicht aus, ein paar Schlagworte aneinanderzureihen, einen langen Satz zu konstruieren und den wissenschaftlichen Brustton der Überzeugung aufzusetzen. Dieses Beispiel zeigt, wie schwer es ist, eine gute Erklärung in ein oder zwei Sätzen zu formulieren.
Komm auf den Punkt
Meiner Meinung nach darf eine Erklärung nicht zu abstrakt, nicht zu wissenschaftlich, nicht zu allgemein, nicht zu spezifisch, nicht schwer verständlich und nicht zu umständlich sein. Einfacher gesagt: Lass alles Unwichtige weg, vermeide Floskeln und Fachchinesisch, komm auf den Punkt – und hör auf, wenn alles gesagt ist. Ob Fabel, Flugzeug oder Fliegenfänger: Für viele Themen sind 140 Zeichen Erklärung einfach zu lang.
Gerade bei abstrakten Konzepten wie Liebe, wissenschaftlichen Begriffen wie Gravitation oder Stars wie Michael Jackson fällt es schwer, eine gleichermaßen sachliche wie verständliche Erklärung in 140 Zeichen zu erstellen. Genau deswegen haben wir die Erklärmaschine erfunden. Sie funktioniert nach einer Art ein Treppenprinzip: Einer fängt an – und der nächste baut darauf auf und versucht, eine bessere Erklärung zu finden.
Wir feilen einfach so lange an der Formulierung, bis es nichts mehr zu verfeinern gibt…
Schlagwörter:erklären, Erklärung, Synonyme
Okay, per Twitter habt ihr Kritik zu diesem Beitrag eingefordert. Zweierlei fällt mir ein:
1. würde ich widersprechen, dass eine Erklärung "argumentativ" sein sollte. Argumentieren muss ich eine Meinung. Eine Eklärung sollte ich belegen (können), nicht argumentieren (müssen).
2. auf den letzten Absatz bezugnehmend: Das "Treppenprinzip" gefällt mir auch sehr bei twick.it. Wenn man nicht argumentiert, dass die 140 Zeichen keine Schöpfungshöhe aufweisen (was eine gewagte Behauptung wäre), müsste ich – um lizenzkonform zu bleiben – angeben können, welchen Twic ich da gerade ausbaue. Ich als Fan von freien Lizenzen, würde wirklich gerne mit einem kleinen Knopfdruck den ursprünglichen Twicker (?) seinen wohlverdienten Tribut zollen. Das sollte doch einfach zu machen sein, oder nicht?
Und ohen das ist es lizenztechnsich fraglich.
Gruß,
norro
HI norro, danke für dein Feedback. Zu 1. Für mich ist ARgumement nur ein Synonym für Begründung. Schnell bei Wikipedia nachgucken… Aha, dort wird Argument folgendermaßen definiert: Argument (lateinisch „Beweisgrund, Beweismittel“) ist eine Aussage oder eine Folge von Aussagen, die zur Begründung oder zur Widerlegung einer Behauptung (These) angeführt wird.
Zu 2) Spontan gebe ich dir recht. Allerdings baut doch alles Wissen aufeinander auf – und bei Twick.it kann man ja genau sehen, ob jemand bei einem vorherigen Twick abgeschaut hat. Das würde ich dann als Lob erfinden, auch ohne Tribut-Symbol.
@Cowboy: Du hast wohl recht, in der Regel wird sich erkennen lassen, auf welchen Twick ich gerade aufbaue. Lizenzrechtlich allerdings ist das glaube ich nicht hinreichend. CC-By fordert die Nennung des Urhebers sowie URL zum Original. Darauf wollte ich die Betreiber hinweisen.
Zumal es ohnehin schwierig wird, sollte es irgendwann man zu nem Thema zig (hhunderte?) Twicks geben, was bei einigen Themen bei steigender Popularität von twick.it nicht unwahrscheinlich ist. Bereits jetzt hat ein einzelnes Thema 14 Twicks. Da wirds schwierig, die Entstehung ohne technische Hilfsmittel nachzuvollziehen.
Gruß,
norro


